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Das Konzept
Vor dem Hintergrund aktueller Globalisierungsvorgänge haben Bemühungen um das Bewahren regionaler Kultur und Sprache Konjunktur. Ähnliches vollzog sich Ende des 19. Jahrhunderts, als große Teile der bürgerlichen Mittelschichten gegen Industrialisierungs- und Verstädterungsprozesse aufbegehrten.

Heimatbewegung in Oldenburg, Abb. 1 Die heraufziehende Moderne wurde damals als Bedrohung empfunden. Bei der "Suche nach Geborgenheit" und alternativen Lebensformen fiel dem ländlichen Raum eine besondere Rolle zu. In seinem konservativen Umfeld glaubte man, die vertrauten kulturellen Werte sichern und Reformbestrebungen initiieren zu können. Agrarromantische Vorstellungen flossen in diese Bewegung mit ein, deren Fürsprecher sich ab 1880/90 unter dem Begriff "Heimat" versammelten und als Sachwalter von Heimatkunst und Heimatkunde, von Heimatsprache und Heimatdichtung auftraten.

Heimatbewegung in Oldenburg, Abb. 2

Heimatbewegung in Oldenburg, Abb. 3
Vor diesem Hintergrund wird die Geschichte der Heimatbewegung in Stadt und Land Oldenburg von sechs Museen und Kultureinrichtungen des Oldenburger Landes kritisch aufgearbeitet und dargestellt. Im Gebiet des ehemaligen Großherzogtums stieß die Heimatbewegung auf breite Akzeptanz. Die von ihr ausgehende Bedeutung läßt sich rückblickend ablesen an der Gründung von Verbänden, Vereinen und Heimatmuseen, an der offiziellen Förderung der Heimatmalerei und -literatur, der Unterstützung heimischer Architektur und heimischen Kunstgewerbes.
Im Oldenburgischen ist die Heimatbewegung eng mit dem Namen des Malers Bernhard Winter (1871 - 1964) und des Dichters August Hinrichs (1879 - 1956) verbunden.

Darüber hinaus läßt sie sich an der Wiederbelebung des Niederdeutschen, dem Aufblühen der Heimatbeilagen in den Tageszeitungen, der Förderung niederdeutscher Bühnen und folkloristischer Trachtenfeste sowie der Propagierung des Naturschutzes festmachen. Im Bemühen um identitätsstiftende Maßnahmen wurde ferner den Forschungen zur Familien-, Heimat- und Naturkunde sowie den Studien zur Vorgeschichte ein hoher Stellenwert zugewiesen.

Dieser Ansatz der Heimatbewegung verknüpfte sich schließlich mit dem Versuch, die Besonderheit des eigenen Kulturraumes durch einen überzeitlichen germanisch-deutschen Zusammenhang zu begründen. Damit wurde die Bewegung offen für völkisches Gedankengut und deren Vorstellungen von "Volkstum" und "Rasse". Bis zur Instrumentalisierung durch die Kulturpolitik der Nationalsozialisten war es dann nur noch ein kleiner Schritt.

Die Ausstellung "Heimatbewegung in Oldenburg" konzentriert sich mit ihren jeweiligen Abteilungen auf die Jahrzehnte um 1900, gewährt aber auch Ausblicke auf die Zeit des Nationalsozialismus und die Jahre nach 1945. Mit dem Museumsdorf Cloppenburg, dem Schlossmuseum Jever, dem Stadtmuseum Oldenburg, dem Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte Oldenburg, dem Landesmuseum für Natur und Mensch Oldenburg und der Landesbibliothek Oldenburg beteiligen sich verschiedene Kulturinstitutionen an dem Vorhaben, orientiert an der Bearbeitung spezieller Sachthemen sowie inhaltlich unterstützt von den FachkollegInnen aus dem Niedersächsischen Staatsarchiv Oldenburg und dem Kulturamt der Stadt Oldenburg.