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Museumsdorf Cloppenburg
Bether Str. 6, 49661 Cloppenburg
Tel. 04471 - 94 84 0

Heimat und Museum
Bauernkultur zwischen Idylle, Dokumentation und Ideologie

Museumsdorf Cloppenburg

Täglich 9 - 16.30 Uhr, ab 1. März 9 - 18 Uhr
Eintritt: 4,10 EUR incl. Besuch des Freilichtmuseums

Museumsdorf Cloppenburg, Abb. 1

Museumsdorf Cloppenburg, Abb. 2

Museumsdorf Cloppenburg, Abb. 3

Museumsdorf Cloppenburg, Abb. 4
Die Heimatbewegung im Oldenburger Land ist wie andernorts mit der "Musealisierung" von regionaler Kultur verbunden gewesen. Darunter sind Versuche zu verstehen, die durch Industrialisierung und Verstädterung stark veränderte Kultur-Landschaft wenigstens teilweise zu konservieren. Der Heimatbegriff spielt in diesem Prozess eine wichtige Rolle. Ab 1880/90 beginnt sich "Heimat" - als zunehmend sentimental angereichter Begriff für die Umschreibung regionaler Zugehörigkeit oder Identität - zu einem Gegenbild gesellschaftlicher Realität zu entwickeln.

Im Zuge der Ausbildung bürgerlich-agrarromantischer Wertemuster wird Heimat mit der Vorstellung des Bäuerlichen verknüpft. Dies gelingt umso leichter, als die zunehmende Landflucht von Arbeitskräften den landbesitzenden Bauern die wirtschaftliche Gefährdung des flachen Landes vor Augen führt. Vor diesem sozialen Hintergrund entwickelte die Heimatbewegung auch im Oldenburgischen ein vielseitiges Kontrastprogramm. Es kommt in Unterbegriffen wie Heimatkunst, Heimatliteratur, Heimatkunde und Heimatmuseum zum Ausdruck.

Gerade in Verbindung mit dem Heimatmuseum gelingt es, aus dem großen Spektrum ländlich-historischer Sachkultur Demonstrationsobjekte zu "kultivieren". Sie werden aus ihrem bisherigen gesellschaftshistorischen Zusammenhang gelöst und in einen nostalgischen eingepasst. Dazu gehören die "Volkstracht", zahlreiche Elemente der nun auch kommerziell genutzten "Volkskunst" (wie Möbel, Hausrat und Gerät) und nicht zuletzt das Bauernhaus selbst. Die Errichtungen des Ammerländer Bauernhauses in Bad Zwischenahn (1910), der Rauchkate in Neuenburg (ab 1912) oder des Heimatmuseums für das Oldenburger Münsterland in Cloppenburg (ab 1922) stehen ganz unter dem Zeichen dieses Bewahrungs- und Demonstrationsgedankens. Hinzu tritt die Orientierung an der in Skandinavien entwickelten Freilichtmuseumsidee.

Die kulturpolitische Bewertungsmöglichkeit von "Heimat" und "Museum" macht indes beide anfällig für ihre Instrumentalisierung und Ideologisierung, insbesondere in der Zeit des Nationalsozialismus. Der Aufbau des Museumsdorfs Cloppenburg ab 1934 bleibt davon nicht unberührt. Er bewegt sich zwischen kulturhistorischer Dokumentation und kulturpolitischer Vereinnahmung. Erst mit dem Zusammenbruch des "Dritten Reiches" 1945 wird dieser Spagat wieder aufgelöst.